Dreikönigsfahrt

KCZ-Autor*innen • 10. Januar 2026

6. Coswiger „Dreikönigsfahrt" 2026

Zwei Zugvögel, die paddlerisch nahezu mit der Elbe verheiratet sind, überredeten VereinskameradInnen an der von den Coswigern ausgerichteten Dreikönigsfahrt kurz nach Neujahr teilzunehmen. Der Ausrichter lud zum Treffen am Freitag, dem 2. Januar, in das Bootshaus des Kanuvereins Coswig (Anhalt) ein.

Die bahnfahrende Fraktion der Zugvögel lädt die Boote bereits am Neujahrstag, wohingegen sich die Gespannfahrer erst am Abfahrtstag treffen. Schon beim Aufladen ist es frisch, und wir sind froh, im warmen Auto zu sitzen.

Angekommen, begrüßen wir überraschend viele, aber überwiegend bekannte ElbfahrerInnen aus Berlin-Tegeel sowie aus Leipzig, Elster und natürlich Coswig. Wir richten die Schlafstellen auf Matten im großen Turnraum oder im extra für uns freigegebenen Saal und machen es uns anschließend im gut geheizten Clubraum bequem. Bei Würstchen und reichlich Getränken gibt es wieder viel Erlebtes und Geplantes zu erzählen.

Der Samstag beginnt mit dem Umladen unserer Boote auf den großen Coswiger Anhänger. Wir werden von dem Organisator und Busreiseunternehmer mit seinem zwanzig Plätze umfassenden Kleinbus durch eine leicht verschneite Landschaft bis zur Einsatzstelle in die Schwarze Elster bei Arnsnesta gebracht. Dort gibt es eine passable Einsatzstelle. Obwohl wir gewohnt sind, bei winterlichen Temperaturen aufs Wasser zu gehen, habe ich Respekt vor der geplanten ca. 30 km langen Fahrt. Glücklicherweise haben wir kohlebetriebene Handwärmer besorgt, die noch sehr nützlich werden.

Für die meisten Zugvögel ist es die Erstbefahrung der Schwarzen Elster. Der überraschend geradlinig ausgebaute Fluss entwässert hier das Breslau-Magdeburger-Urstromtal, in das sich bei der Ortschaft Elster die Elbe gesellt(!). Der ursprüngliche Plan, die Elbe ab Torgau zu befahren, wurde wegen des starken Südwestwindes mit Böen bis zu acht Beaufort verworfen. Wir sind froh, uns auf langen Abschnitten in den Windschatten der ausgedehnten Schilfbestände ducken zu können, wobei sich auf Gegenwindstrecken ordentlich Wellen aufbauen. Nach ca. vier Stunden durchqueren wir mühsam die versandete Mündung der Schwarzen Elster und erreichen nach weiteren flotten Elb-Kilometern das Bootshaus der Kanuvereinigung „Harmonie“ in Elster (km 200), wo die ganze Gemeinschaft froh in die Wärme flüchten und sich der Paddelklamotten entledigen kann. Die Boote dürfen wir bis zum nächsten Tag draußen vor Ort liegen lassen, wohingegen wir mit dem Bus wieder nach Coswig geschaukelt werden.

Für Sonntag verspricht die Wettervorhersage bei sinkenden Temperaturen weniger Wind, dafür Schneeschauer. Wir haben gut damit zu tun, die Boote von dem über Nacht gefallenen Schnee zu befreien. Anfänglich müssen wir aber unseren Pirol erst einmal flott machen, weil die Steueranlage eingefroren ist. Damit sind wir nicht die Einzigen; eine Folge davon, dass wir die Boote haben draußen liegen lassen. Nach einigem Ein- und Aussteigen und einer Spende heißen Tees aufs Heck ist der Pirol wieder steuerbar. Gegenüber den anderen MitpaddlerInnen haben wir dadurch einen großen Rückstand. Aufgrund der von vorn ankommenden heftigen Schneegestöber bin ich froh, dass meine Mitpaddlerin vor mir sitzt, und sie ist ebenso froh, dass sie eine schützende Brille trägt; sonst hätten wir die Fahrrinne wohl häufiger verpasst. Vorbei an Wittenberg und über vier große Elbmäander erreichen wir zusammen mit den Mitreisenden unser Ziel bei Coswig (km 236). Dort warten Suppen, Würstchen und für die Geneigten vor allem die heiße Fass-Sauna. Die Hartgesottenen nutzen zur Abkühlung noch die Elbe oder den Schnee.

Der Montag zeigt sich schon früh kalt und sonnig. Um neun Uhr sind alle auf dem Wasser, Wir müssen leider wieder feststellen, dass unsere Steuerung hakt; diesmal hat sich das Steuerseil irgendwie gelöst. Statt weiter zu fahren, landen wir auf einer Sandbank an. Um überhaupt lenken zu können, schiebe ich den Steuerbock ganz nach vorn und nehme schließlich den vorderen Sitzplatz ein, leider ohne eine befriedigende Steuerfähigkeit zu erreichen. Viel später, in Höhe der Autobahnbrücke, halten wir nochmal an, und ich mache einen Knoten in das Seil; dann geht es besser. Jetzt haben wir auch Muße, die wunderschöne verschneite Winterlandschaft zu genießen, und wir freuen uns darauf, die anderen einzuholen. Vor Roßlau balzen Seeadler; überhaupt begegnen uns massenhaft Wintergäste wie Silberreiher, Zwergtaucher und diverse Entenarten, ohne die Massen an Kormoranen zu vergessen. Oberhalb von Dessau kommt uns ein Paddler der Junkers Paddelgemeinschaft entgegen, der für die Berg- und Talrally trainiert. Er macht uns aber wenig Hoffnung, dass wir zusammen mit den anderen PaddlerInnen Brambach (km 268) erreichen werden. In Brambach werden wir bereits von Zugvögeln erwartet, die uns beim Aufladen helfen.

Ein letztes Highlight während der Busfahrt zurück nach Coswig sind fünfzig Kraniche, die sich auf einem Acker Maiskörner aus dem Schnee kratzen. Zurück am Bootshaus genießen wir nochmals die Gastfreundschaft der Coswiger. Danach verabschieden sich die Berliner Bahnfahrer von uns Autofahrern. Letzteren gilt Dank, die im Verein noch die Boote abladen und wegräumen. Dank gilt ebenso den Coswigern, die uns so herzlich aufgenommen und für das leibliche Wohl gesorgt haben. Ganz besonderer Dank gilt dabei dem Organisator, auch für den Busshuttle.

Fazit: Eigentlich hätte es auf dieser Winterfahrt nicht abwechslungsreicher kommen können. Der erste Tag brachte bei Temperaturen um den Gefrierpunkt stürmische Verhältnisse, der zweite Tag weniger Wind, dafür aber heftige Schneeschauer und der dritte Tag kaum Wind, dafür aber sonnige Winterstimmung.



m
von KCZ-Autor*innen 16. Oktober 2025
Meeresleuchten
Eisberge in Grönland
von KCZ-Autor*innen 3. September 2025
Kajaktour in Ost-Grönland
von KCZ-Autor*innen 17. Juni 2025
Kajaktour auf der Nordsee von Spieka-Neufeld nach Neuwerk und zurück
von KCZ-Autor*innen 1. Dezember 2024
Havel-Plünnenfahrt, organisiert vom Wanderwart des KC Zugvogel. Die Havel und ihre Seen
von KCZ-Autor*innen 1. Dezember 2024
Eine Tour durch idyllische fast unberührte Natur
von KCZ-Autor*innen 2. September 2024
Flensburger Fördefahrt. Von Haddebyer Noor über die Schlei nach Dänemark und in die Flensburger Förde
von KCZ-Autor*innen 29. März 2024
Winterfahrt auf der schnellen Havel
von KCZ-Autor*innen 29. Februar 2024
Fahrtenbericht über die Winter-Saale-Fahrt 2024
von KCZ-Autor*innen 28. Januar 2024
Zugvögel auf der Winterhavel
von KCZ-Autor*innen 6. Januar 2024
Fahrtenbericht über die Paddeltour auf Drawa und Korytnica